Suche
  • Cathrin Michael

Die schwimmende Schatztruhe



Solche Orte gibt es selten. Man betritt sie und befindet sich urplötzlich in einer anderen Welt. Weg vom Alltag – ein Ort, wo Sorgen und Regeln und Routine keinen Platz haben. Umso schöner ist es, wenn man sie entdeckt und die Erinnerung daran noch ganz lange im Herzen trägt.

Letztes Wochenende lud mich meine Schwester Melanie in die Herzbaracke ein. Danke für dieses wunderbare Geburtstagsgeschenk! Das türkisfarbene Schiff, das auf den Wellen des Zürichsees beim Bellevue schaukelt, habt ihr vielleicht auch schon gesehen. Von jeweils Ende Oktober bis Mitte März lässt es die Besucher in Zürich an Board, bevor es seine Rundfahrt auf dem Zürichsee antritt.

Wir schreiten über den kleinen Einstieg, wühlen uns durch den dicken Vorhang und vor unseren Augen tut sich eine Traumwelt auf: Servierdamen in wallenden Roben schweben an uns vorüber, roter Samt überall, farbige Teppiche an den Wänden, wir sitzen auf einem gepolsterten Biedermeier-Sofa und stossen schon bald mit einem Glas Aphrodine Petite Arvine an, der uns vom Gastgeber Federico Emanuel Pfaffen ans Herz gelegt wird. In breitestem Walliser Dialekt. Ansonsten spricht er Bündnerdeutsch und kündigt das fabelhafte 4-Gang-Menu mit den folgenden Worten an: "Sie werdend do gsünder wieder use goh wie sie ko sind."




Jetzt sind wir gespannt. Und schmelzen schon beim feinen John-Baker-Brot mit zart gesalzener Butter und Blütenblättli dahin. Der Salat wird in einer Schüssel serviert, aus der wir schöpfen und einer Meinung sind: So einen Feinen hatten wir noch nie! Das Rezept für die Salatsauce hätte ich dann gerne (falls Sie mitlesen, sehr verehrter Herzbaracken-Koch)… HINWEIS: ER HAT MITGELESEN! :) Update weiter unten…

Die Schabziger-Suppe ist ein Genuss, jeder Löffel erneut. Ich dachte ja immer, Schabziger bestehe aus Ziegenmilch – weit gefehlt. Das ist entrahmte Kuhmilch, die über einen längeren Zeitraum vergärt wird. Hier steht mehr darüber. Ich schreibe nicht noch mehr über das restliche Menu, denn es wechselt oft. Das vegetarische 4-Gang-Menu kostet CHF 68.-, es gibt auch Optionen mit Fleisch.

Wie man in so einer kleinen Kombüse so fein kochen kann, ist mir rätselhaft. Ganz viel Herzblut macht's wohl möglich… Das braucht es auch, um so einen feinen Kulturbetrieb nun seit 20 Jahren am Leben zu halten. Ein riesengrosses Kompliment an das ganze Team und danke für den unvergesslichen Abend.


Die Direktoren Nicole Gabathuler und Federico Emanuel Pfaffen.

Ah ja, nach dem Essen traten die Herren Wunderlich auf, die in ihren schwarzen Fracks die wilden 20er Jahre wieder aufleben liessen (falls ihr mich mal ,Mein kleiner grüner Kaktus'-summend erwischt, wisst ihr jetzt wieso). Wir haben mit dem Boot mitgeschunkelt und hatten einen kleineren Kulturschock, als wir zwei Stunden später wieder mitten auf dem Zürcher Bellevue im Jahre 2018 standen.

Die Vorstellungen in Zürich sind ausgebucht, doch bis Rapperswil ist's nicht weit. Ab dem 15. März 2018 findest du die Herzbaracke in der Rosenstadt. Wenn das nicht passt… Hier geht's zum Programm.

Bildquellen: Alle Bilder stammen von der Herzbaracke.

Update 9. März 2018:

Der liebe Kombüsen-Koch Flavio Nef hat uns nach der aufmerksamen Lektüre sein Salatsaucen-Rezept verraten, ein grosses Heureka und Dankeschön!

Die Herzbaracken-Salatsauce besteht aus folgenden Zutaten:

Fein gehackte Zwiebeln Gemüsebouillon Blütenhonig (flüssig) Kalt gepresstes Bio Olivenöl Viel feinen Senf Etwas weniger körnigen Senf Kräuter (frische und getrocknete) je nach Wunsch und Tagesangebot Salz & Pfeffer Die Mischung bleibt jedoch ihr kleines Geheimnis… viel Spass beim Ausprobieren!

#Zürich #Essen #Kultur #Event #Musik #Theater #Herzbaracke

271 Ansichten