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  • Cathrin Michael

Entspannen beim Kastanien-Yoga



Am Wochenende bin ich mit meiner Freundin Bea zum Wandern ins Tessin gedüst. Wir haben an diesem magischen Tag nicht nur Geissen gestreichelt, sondern auch meditative Höhenflüge erlebt. Und das alles dank Marroni. Doch der Reihe nach…

Die SBB-Tageskarten-Aktion 2 für 1 habe ich dieses Jahr gleich mehrmals genutzt und komme einmal mehr zum Schluss: Wir haben ein Sauglück, in so einem wunderschönen Land zu leben. Die SBB haben diesen Beitrag übrigens nicht gesponsort. Das macht man jetzt so, dass man neuerdings kennzeichnen muss, ob es sich um Werbung oder nicht-Werbung oder unbezahlte Werbung handelt. So ein Chrüsimüsi aber auch. Auf jeden Fall haben wir den vollen Preis bezahlt – oder eben nicht, denn eben: zwei für eins. Also, wo waren wir. Genau, Zürich-Lugano sind wir in einem Ruck durchgefahren und sind nach einem Mono-Juice*, einem Vicafé-Kafi**(übrigens war ich ein bitzli stolz auf mich, dass ich morgens in mein Wanderrucksäckli auch meinen Re-Fill-Cup eingepackt habe in den ich mir meinen Cappuccino habe abfüllen lassen – erst noch etwas günstiger) und einer Runde Was-läuft-in-deinem-Leben-so mussten wir auch schon wieder aussteigen.



In Lugano hätten wir zwei Stunden aufs Postauto warten müssen, das uns nach Arosio bringt. Darum haben wir uns ein Taxi gegönnt und hatten so die zweite Tageskarte auch wieder drin. Sei's drum. Arosio liegt ungefähr 20 Minuten von Lugano entfernt und bildet die Anfangs- und Schlusssation des wunderschönen Sentiero del Castagno – dem Kastanienweg. Den wollte ich schon so lange mal abwandern, denn ich liebe Marroni, das Tessin und milde Herbsttage mit goldenen Sonnenstrahlen umso mehr.

Nach einer kurzen, oke es waren fast 18 Minuten, Ehrenrunde standen wir wieder am Anfangspunkt. Da hatten wir vor lauter Marroni auf den Augen doch tatsächlich die falsche Abzweigung genommen. Beim zweiten Anlauf lief's wie geschmiert und die folgenden Stunden sind wir durch Birkenwälder, südafrikanisch anmutende Bergpanoramen und herzige Tessiner Bergdörfli gewandert.

Immer wieder sind wir auf Einheimische getroffen, die mit Säcken und Spezialhandschuhen fleissig Marroni gesammelt haben. Die ganze Wanderung dauert etwa fünf Stunden. Wir haben am Schluss eine Abkürzung genommen und sind bei Vezio quer durchs Dorf spaziert. Wir dachten, es hätte unterwegs Verpflegungsmöglichkeiten, doch irgendwie haben wir keine gefunden – und der letzte Schoggiriegel und das letzte getrocknete Öpfelringli konnten das Bauchknurren irgendwann nicht weiter überspielen. Darum wollten wir dann schleunigst ins ,Grotto Sgambada' wo sie uns leider keinen Kübrisrisotto, aber immerhin ein kaltes Plättli aufgetischt haben. Der Käse schmeckte nach kaltem Keller und war cremig weich. Irgendwie sehr gut und danach waren wir wieder bei Kräften.

Wir taten es den Einheimischen gleich und haben den Kastanienhain von Induno, gleich hinter dem Grotto, belagert. Leider nicht mit Spezialhandschuhen ausgestattet wie die anderen, haben wir dennoch bald unsere Technik gefunden. Mit zwei kleinen Ästen haben wir die Kastanienschalen aufgebrochen und darin lagen sie, die braunen Schätze. Meistens zu zweit oder dritt versteckten sich dunkel, spitz und perfekt die Edelkastanien. Wir waren irgendwann so wohlig grinsend versunken in diese langsame Tätigkeit, dass uns nur die spitzen Dornen, die sich unter die Fingernägel bohren wollten, wieder ins Jetzt zurück geholt haben. Zum Glück, denn das Postauto, das uns nach Lugano zurückbringen sollte, rollte bereits auf unser Dörfli zu.





Mit vollem Rucksack, ein paar Fältli mehr um die Augen (vom Lachen und der Herbstsonne) sind wir am Abend wieder gen Zürich gefahren. Jetzt brauche ich nur noch etwas: Eine Marronipfanne. Wer leiht mir eine?

Der Herbst dauert noch etwas an. Schnürt eure Wanderschuhe und ab die Post.

Hier der Link zur Wanderung (ebenfalls nicht bezahlte Werbung, bittegerngscheh Lugano Tourismus):

https://www.ticino.ch/de/itineraries/details/Der-Kastanienweg/138369.html

* Nicht bezahlte Werbung. Sandro, sein Team von MONO und die Säfte mag ich einfach. Am liebsten trinke ich den Granatapfel-Shot. Der macht müde Texterinnen wieder munter.

** Nicht bezahlte Werbung. Kafi von Vicafé trinke ich gerne, sie haben die lustigsten Werbetafeln und man bezahlt 50 Rappen weniger, wenn man den eigenen Becher mitbringt. Find ich super!



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